BKR: Kirchliche Erneuerung braucht ein festes Fundament im Glauben
Bund Katholischer Rechtsanwälte würdigt den geistlichen Impuls Kardinal Müllers: Recht und Strukturen müssen dem Auftrag der Kirche dienen.
27. Oktober 2026. Der Bund Katholischer Rechtsanwälte (BKR) begrüßt den Aufruf von Gerhard Kardinal Müller zur geistlichen Erneuerung der Kirche. In seiner Predigt zum hundertjährigen Bestehen der Diözese Łomża hat der frühere Präfekt der Glaubenskongregation die persönliche Hinwendung zu Christus und das Leben aus den Sakramenten in den Mittelpunkt gestellt.
„Die Kirche lebt aus einem Fundament, das ihr vorgegeben ist: Jesus Christus und sein Evangelium. Dieses Fundament bindet auch diejenigen, die in der Kirche Verantwortung tragen“, erklärt Prof. Dr. Sven-Joachim Otto, stellvertretender Vorsitzender des BKR. „Wer kirchliche Erneuerung gestalten will, muss sich deshalb zuerst der Frage stellen, wie der Glaube neu vertieft und glaubwürdig gelebt werden kann.“
Kirchliches Recht steht im Dienst der Sendung
Aus Sicht des BKR gibt Müllers Predigt Anlass, auch die Aufgabe des kirchlichen Rechts neu ins Bewusstsein zu rufen. Es schützt Rechte, begrenzt Macht und schafft verlässliche Verfahren. Zugleich ist es dem geistlichen Auftrag der Kirche verpflichtet.
„Rechtssicherheit, wirksamer Schutz vor Missbrauch und nachvollziehbare Verantwortlichkeiten sind unverzichtbar. Ihre Gestaltung muss sich am Wesen und an der Sendung der Kirche orientieren“, betont Otto. „Auch kirchliche Mehrheitsentscheidungen bleiben an das gebunden, worüber die Kirche selbst nicht frei verfügen kann.“
Umkehr verpflichtet gerade die Verantwortlichen
Der Ruf zur persönlichen Erneuerung richtet sich nach Auffassung des BKR besonders an Menschen in kirchlichen Leitungsämtern. Geistliche Autorität verlangt die Bereitschaft, das eigene Handeln zu prüfen, Fehler offenzulegen und Verantwortung zu übernehmen.
„Der Verweis auf den göttlichen Ursprung der Kirche erhöht den Anspruch an menschliche Verantwortung“, so Otto. „Wer im Namen der Kirche handelt, schuldet den Menschen Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und einen gewissenhaften Umgang mit der anvertrauten Macht.“
Der BKR ermutigt dazu, die Debatte über die Zukunft der Kirche stärker aus ihren geistlichen Quellen zu führen. Verkündigung, Sakramente und tätige Nächstenliebe müssen das kirchliche Leben prägen.
„Die Kirche gewinnt Glaubwürdigkeit, wenn ihre Botschaft und ihr Handeln übereinstimmen. Erneuerung beginnt mit der Bereitschaft, sich selbst vom Evangelium in Anspruch nehmen zu lassen.“
Pressemitteilung des Bundes katholischer Rechtsanwälte (BKR)
BKR begrüßt Entscheidung von Erbprinz Alois: Ungeborenes Leben schützen – Frauen wirksam unterstützen
Lebensschutz braucht rechtliche Verlässlichkeit und konkrete Hilfe für Schwangere und Familien.
Hamburg/Düsseldorf, 25. Oktober 2026. Der Bund katholischer Rechtsanwälte (BKR) begrüßt die Entscheidung von Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, dem Gesetzesbeschluss zur Einführung einer Fristenlösung beim Schwangerschaftsabbruch die erforderliche Sanktion zu verweigern. Zugleich würdigt der BKR seine Bereitschaft, die Information, Begleitung und Unterstützung von Frauen vor, während und nach einer Schwangerschaft zu verbessern. Das Fürstenhaus hatte diese Position am 20. Oktober mitgeteilt. (fuerstenhaus.li)
„Der Schutz des ungeborenen Lebens gehört zu den grundlegenden Verpflichtungen einer am christlichen Menschenbild orientierten Rechtsordnung. Menschliches Leben besitzt seinen Wert aus sich selbst heraus. Seine Schutzwürdigkeit darf weder von seiner Entwicklungsphase noch davon abhängen, ob andere Menschen es willkommen heißen. Erbprinz Alois setzt mit seiner Entscheidung ein klares Zeichen für die Verantwortung gegenüber den Schwächsten“, erklärt Roger Zörb, Vorsitzender des BKR sowie Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht in Hamburg.
Der BKR betont, dass Lebensschutz und die Unterstützung von Frauen in Konfliktsituationen zusammengehören. Existenzängste, Partnerschaftskonflikte, berufliche Nachteile oder fehlende Betreuung dürfen Frauen mit einer Schwangerschaft nicht alleinlassen. Eine glaubwürdige Politik des Lebensschutzes muss deshalb verlässliche Beratung, materielle Hilfen und tragfähige Perspektiven für ein Leben mit dem Kind gewährleisten.
„Wer Frauen zum Austragen ihres Kindes ermutigt, muss bereit sein, Verantwortung mitzutragen. Dazu gehören praktische Hilfe, gesellschaftliche Anerkennung und ein Umfeld, in dem Mutterschaft nicht zum persönlichen oder wirtschaftlichen Risiko wird. Auch die Väter müssen ihrer Verantwortung gerecht werden. Lebensschutz ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft“, so Zörb.
Verfassungsmäßige Verantwortung ernst nehmen
Auch rechtlich ist die Entscheidung in der Verfassungsordnung Liechtensteins verankert: Nach Artikel 9 bedarf jedes Gesetz zu seiner Gültigkeit der Sanktion des Landesfürsten. (gesetze.li)
„Die liechtensteinische Verfassung weist dem Landesfürsten eine eigenständige Verantwortung im Gesetzgebungsverfahren zu. Die Entscheidung über die Sanktion gehört zu dieser verfassungsmäßigen Ordnung. Politische Kritik daran ist selbstverständlich legitim; sie sollte aber die institutionellen Grundlagen des Landes respektieren“, erläutert Prof. Dr. Sven-Joachim Otto, stellvertretender Vorsitzender des BKR und Rechtsanwalt in Düsseldorf.
„Aus katholischer Sicht muss eine rechtspolitische Debatte über Schwangerschaftskonflikte beide in den Blick nehmen: die schwangere Frau in ihrer konkreten Lebenssituation und das ungeborene Kind in seiner Schutzbedürftigkeit. Unsere Aufgabe ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen Frauen sich für ihr Kind entscheiden können und dabei verlässlich getragen werden. Der Anspruch auf Lebensschutz verpflichtet deshalb auch zu einer überzeugenden Sozial-, Familien- und Arbeitsmarktpolitik“, betont Otto.
Der BKR ruft Politik, Kirchen, Arbeitgeber und gesellschaftliche Organisationen dazu auf, Hilfen für Schwangere und Familien auszubauen. Besonderes Augenmerk verdienen Frauen, die unter Druck stehen, Gewalt erfahren oder ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit gefährdet sehen. Unterstützung muss frühzeitig erreichbar sein und über die Geburt hinausreichen.
„Eine humane Gesellschaft zeigt ihre Stärke darin, wie sie mit verletzlichem Leben umgeht. Sie schützt Kinder und steht ihren Müttern und Vätern zur Seite. Diesen Anspruch müssen wir in Recht und Alltag gleichermaßen einlösen“, erklären Zörb und Otto abschließend.
Über den BKR
Der Bund katholischer Rechtsanwälte verbindet anwaltliche Verantwortung mit dem christlichen Menschenbild. Er nimmt zu rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen aus katholischer Perspektive Stellung und setzt sich für Menschenwürde, Lebensschutz und Rechtsstaatlichkeit ein.
BKR: Christliche Soziallehre ist kein Auftrag zur Zusammenarbeit mit der Linkspartei
Katholische Juristen mahnen Respekt vor parteipolitischer Eigenständigkeit an – Verfassungsrechtliche Zulässigkeit und politische Vereinbarkeit sind unterschiedliche Maßstäbe
Hamburg/Düsseldorf, 20. Oktober 2026. Der Bund Katholischer Rechtsanwälte (BKR) widerspricht der Forderung von Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa, die CDU solle ihren Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber der Partei Die Linke aufgeben. Die christliche Verantwortung für soziale Gerechtigkeit begründe keine Verpflichtung zu bestimmten parteipolitischen Bündnissen. Über Voraussetzungen und Grenzen einer Zusammenarbeit entschieden die Parteien eigenständig und in Verantwortung gegenüber ihren Mitgliedern und Wählern.
Der Vorsitzende des BKR, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Roger Zörb, Hamburg, erklärt:
„Die Caritas besitzt eine unverzichtbare Stimme, wenn es um Armut, Pflege, gesellschaftliche Teilhabe und den Schutz besonders verletzlicher Menschen geht. Aus dieser besonderen Verantwortung folgt jedoch keine besondere Autorität für Koalitionsempfehlungen. Selbstverständlich darf sich die Caritas-Präsidentin als Bürgerin und CDU-Mitglied hierzu äußern. Dabei sollte erkennbar bleiben, wo sie persönlich politisch Stellung bezieht. Katholische Christen können aus guten Gründen unterschiedliche Auffassungen über die Zusammenarbeit mit der Linkspartei vertreten.“
Der BKR hält die Begründung, eine Partei sei nicht verfassungsfeindlich und deshalb als Kooperationspartner grundsätzlich zu akzeptieren, für unzureichend. Politische Zusammenarbeit setze über die Achtung der Verfassungsordnung hinaus ein hinreichendes Maß an programmatischer Übereinstimmung und gegenseitigem Vertrauen voraus.
Der stellvertretende Vorsitzende des BKR, Prof. Dr. Sven-Joachim Otto, Rechtsanwalt aus Düsseldorf, betont:
„Eine Partei muss nicht verfassungswidrig sein, damit eine andere Partei die Zusammenarbeit mit ihr ablehnen darf. Die Freiheit zur politischen Profilbildung umfasst auch die Entscheidung, bestimmte Bündnisse auszuschließen. Ein Unvereinbarkeitsbeschluss ist kein Parteiverbotsantrag. Wer beide Fragen vermischt, verkürzt die Debatte. Ebenso wenig bedeutet die Ablehnung einer Zusammenarbeit mit zwei unterschiedlichen Parteien, dass deren Programme, Geschichte und Verhältnis zur Verfassung gleichgesetzt werden.“
Die katholische Soziallehre verbinde Solidarität mit Subsidiarität, soziale Verantwortung mit persönlicher Freiheit sowie den Schutz des Eigentums mit dessen Sozialpflichtigkeit. Sie biete damit einen eigenständigen Maßstab zur Prüfung politischer Programme. Einzelne sozialpolitische Gemeinsamkeiten könnten eine umfassende Auseinandersetzung mit Menschenbild, Freiheitsverständnis, Religionsfreiheit und gesellschaftlicher Ordnung nicht ersetzen.
„Wer sich auf die christliche Soziallehre beruft, muss ihre Grundsätze in ihrem Zusammenhang ernst nehmen“, so Otto. „Dazu gehören der Schutz des Lebens, die Verantwortung für Familien, die Freiheit kirchlicher und gesellschaftlicher Einrichtungen und die Eigenverantwortung des Menschen. Ob eine politische Zusammenarbeit tragfähig ist, entscheidet sich an diesem Gesamtbild.“
Der BKR bekräftigt zugleich die Verpflichtung, Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus entschieden entgegenzutreten. Unterschiede zwischen politischen Parteien müssten sorgfältig benannt und anhand konkreter Aussagen und Handlungen bewertet werden. Eine pauschale Gleichsetzung sei ebenso wenig hilfreich wie die Erwartung, die notwendige Abgrenzung gegenüber einer Partei müsse durch eine Öffnung gegenüber einer anderen ergänzt werden.
„Kirchliche Verbände sollten die politischen Parteien an Menschenwürde, Gemeinwohl und rechtsstaatlicher Verantwortung messen“, erklärt Zörb abschließend. „Damit geben sie Orientierung und stärken die Demokratie. Welche Bündnisse eine Partei mit ihrem christlichen Selbstverständnis vereinbaren kann, muss sie in ihrer eigenen demokratischen Willensbildung entscheiden.“
BKR wünscht Papst Leo XIV. Genesung: „Im Gebet und in christlicher Zuversicht verbunden“
Köln, 13. Oktober 2026. Der Bund Katholischer Rechtsanwälte (BKR) wünscht Papst Leo XIV. nach seiner heutigen Operation an der Lunge eine gute und vollständige Genesung. Die Nachricht vom erfolgreichen Verlauf des Eingriffs nimmt der Verband mit Erleichterung auf. Der BKR verbindet seine Genesungswünsche mit einem Dank an die behandelnden Ärztinnen und Ärzte sowie die Pflegekräfte der römischen Gemelli-Klinik.
„Wir sind dem Heiligen Vater in dieser Zeit besonders im Gebet verbunden. Wir wünschen ihm Kraft, Ruhe und eine gute Genesung. Möge er sich getragen wissen von der Anteilnahme und den Gebeten der Menschen weltweit“, erklärt Rechtsanwalt Roger Zörb, Vorsitzender des BKR.
Prof. Dr. Sven-Joachim Otto, Rechtsanwalt und stellvertretender Vorsitzender des BKR, ergänzt: „Krankheit führt uns vor Augen, wie verletzlich jeder Mensch ist. Die Würde des Menschen bleibt dabei unantastbar – unabhängig von Gesundheit, Leistungsfähigkeit oder gesellschaftlicher Stellung. Als katholische Rechtsanwälte sehen wir darin auch einen Auftrag für unser berufliches Handeln: Menschen in schwierigen Lebenssituationen beizustehen und ihre Rechte zu schützen.“
Der BKR ruft seine Mitglieder dazu auf, Papst Leo XIV. und alle kranken Menschen in ihr Gebet einzuschließen. Seine besondere Wertschätzung gilt zugleich allen, die in Medizin, Pflege und Seelsorge für Erkrankte da sind.
„Unser Wunsch ist, dass der Heilige Vater die Zeit und Ruhe erhält, die er zur Genesung braucht. Seine Stimme für Frieden, Gerechtigkeit und die Würde jedes Menschen ist für viele Menschen eine Quelle der Hoffnung“, betonen Zörb und Otto gemeinsam.
Über den BKR
Der Bund Katholischer Rechtsanwälte e. V. ist ein seit 1998 bestehender Zusammenschluss katholischer Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Er setzt sich für christliche Werte in Recht, Gesellschaft und Kirche ein.
Pressekontakt
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Mariä Himmelfahrt – Vom Recht, das den Menschen aufrichtet
Eine Betrachtung zum Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel
Am 15. August feiert die Kirche das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Sie bekennt, dass Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebens „mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen“ wurde. Papst Pius XII. hat diesen Glauben der Kirche 1950 feierlich als Dogma definiert. (VatiKan)
Für katholische Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte mag sich zunächst die Frage stellen: Was hat ein solches Fest mit unserem heutigen beruflichen Alltag zu tun? Mit Akten und Schriftsätzen, mit Verträgen und Verhandlungen, mit Gerichten, Behörden und Mandanten, mit wirtschaftlichen Interessen, Macht, Konflikt und Verantwortung?
Vielleicht mehr, als es auf den ersten Blick scheint.
Maria macht sich auf den Weg
Das Evangelium des heutigen Hochfestes berichtet zunächst von einer Bewegung: Maria „machte sich auf den Weg und eilte“ zu Elisabet. Es ist die Begegnung zweier Frauen, und aus ihr erwächst einer der großen Texte des Christentums: das Magnificat (Lk 1,39–56). (schott.erzabtei-beuron.de)
Maria bleibt nach der Verkündigung nicht bei sich selbst. Sie trägt das, was ihr anvertraut wurde, zum anderen Menschen. Ihre Erwählung führt nicht zur Selbstbezogenheit, sondern zum Dienst.
Auch darin liegt ein erster Impuls für unseren Beruf. Der Rechtsanwalt verfügt über Wissen, Sprache, Zugang zu Institutionen und die Fähigkeit, Interessen in rechtlich wirksame Formen zu übersetzen. Das sind Privilegien. Aber christlich verstanden sind Privilegien niemals nur Besitz. Sie begründen Verantwortung.
Anwaltschaft ist deshalb mehr als die technisch perfekte Anwendung von Normen. Sie ist Dienst am Menschen – gerade dort, wo dieser seine Rechte nicht selbst durchsetzen kann, wo er einer stärkeren Partei gegenübersteht, wo Macht asymmetrisch verteilt ist oder wo ein Konflikt den Blick auf die Würde des anderen verstellt.
Das Magnificat – ein Lied über Macht und Gerechtigkeit
Dann stimmt Maria ihren Lobgesang an:
„Meine Seele preist die Größe des Herrn.“
Und wenig später folgen jene Worte, die bis heute nichts von ihrer Sprengkraft verloren haben:
„Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.“
Das Magnificat ist keineswegs nur ein stilles, frommes Mariengebet. Der Katechismus bezeichnet es als das Lied Mariens und der Kirche, als Dankgesang der Armen, deren Hoffnung sich in der Erfüllung der göttlichen Verheißungen bestätigt. (VatiKan)
Es spricht von Macht und Ohnmacht, Hochmut und Demut, Hunger und Sättigung, Herrschaft und Barmherzigkeit.
Damit berührt es Grundfragen des Rechts.
Denn Recht hat immer auch mit Macht zu tun. Es kann Macht begrenzen oder Macht absichern. Es kann den Schwachen schützen oder zum Instrument des Stärkeren werden. Es kann Gerechtigkeit ermöglichen – und es kann, formal vollkommen korrekt, hinter seinem eigenen Anspruch zurückbleiben.
Das Magnificat erinnert uns daran, dass für den Christen Recht und Gerechtigkeit nicht identisch sind. Das positive Recht ist unverzichtbar. Gerade wir Juristen wissen um den Wert verlässlicher Verfahren, klarer Zuständigkeiten und vorhersehbarer Entscheidungen. Aber wir wissen ebenso: Eine Rechtsordnung gewinnt ihre letzte Legitimation nicht allein daraus, dass ihre Regeln ordnungsgemäß zustande gekommen sind.
Über dem Recht steht die unverfügbare Würde des Menschen.
Für katholische Rechtsanwälte bedeutet das nicht, sich über das Gesetz zu erheben. Im Gegenteil: Es bedeutet, das Recht besonders ernst zu nehmen – gerade als Instrument zum Schutz der Freiheit und Würde jedes Menschen.
„Er erhöht die Niedrigen“
Vielleicht ist dies der juristisch eindringlichste Satz des Magnificat.
Der Rechtsstaat lebt davon, dass auch derjenige gehört wird, der keine gesellschaftliche Macht besitzt. Dass der Einzelne dem Staat entgegentreten kann. Dass wirtschaftliche Stärke nicht automatisch rechtliche Überlegenheit bedeutet. Dass Minderheiten geschützt werden. Dass jedem Menschen Anspruch auf rechtliches Gehör und ein faires Verfahren zukommt.
In dieser Perspektive bekommt anwaltliche Tätigkeit eine besondere Würde.
Wir vertreten nicht deshalb Menschen, weil sie immer recht haben. Wir vertreten sie, weil jeder Mensch ein Recht darauf hat, dass seine Sache gehört, sein Standpunkt geprüft und seine Würde respektiert wird.
Gerade darin kann anwaltliche Arbeit sehr konkret Dienst an dem sein, was Maria besingt: den Niedrigen aufzurichten und Macht an Recht zu binden.
Mariä Himmelfahrt relativiert auch unseren eigenen Erfolg
Das heutige Fest richtet den Blick aber noch weiter.
Maria wird mit Leib und Seele in die Herrlichkeit Gottes aufgenommen. Die Kirche sieht darin ein Zeichen der Hoffnung und des Trostes: An Maria wird sichtbar, welches Ziel Gott dem Menschen zugedacht hat. (schott.erzabtei-beuron.de)
Damit relativiert dieses Fest auch vieles, was in unserem Berufsleben so wichtig erscheinen kann.
Mandate.
Umsätze.
Positionen.
Titel.
Einfluss.
Erfolge und Niederlagen.
All das hat seine Bedeutung. Aber nichts davon ist das Letzte.
Gerade ein Beruf, der stark von Wettbewerb, Argumentation und persönlicher Durchsetzungskraft geprägt ist, braucht diese Erinnerung. Christliche Demut bedeutet dabei keineswegs berufliche Anspruchslosigkeit. Wir sollen gute Juristen sein. Wir dürfen erfolgreich sein. Wir dürfen Verantwortung übernehmen und Einfluss ausüben.
Aber wir sollten wissen, wem wir unseren Erfolg verdanken und welchem Zweck unsere Fähigkeiten dienen sollen.
Maria sagt nicht: Seht, was ich erreicht habe.
Sie sagt:
„Der Mächtige hat Großes an mir getan.“
Das ist vielleicht eine der anspruchsvollsten christlichen Haltungen überhaupt: das eigene Können ernst zu nehmen, ohne sich selbst zum Mittelpunkt zu machen.
„Segne du, Maria, segne all mein Denken, segne all mein Tun“
Dazu passt in besonderer Weise das alte Marienlied „Segne du, Maria“, das viele von uns seit Kindheitstagen kennen.
Eine Zeile berührt gerade mit Blick auf unseren Beruf:
„Segne all mein Denken,
segne all mein Tun.“
Was könnte ein katholischer Jurist am Beginn eines Arbeitstages eigentlich Besseres erbitten?
Segne mein Denken – damit juristische Klugheit nicht zur bloßen Cleverness wird.
Segne mein Tun – damit aus fachlicher Erkenntnis verantwortliches Handeln erwächst.
Segne meine Worte – damit Entschiedenheit nicht in Verletzung umschlägt.
Segne meine Entscheidungen – gerade dort, wo Recht, wirtschaftliches Interesse und Gewissen miteinander ringen.
Und das Lied geht weiter:
„Lass in deinem Segen
Tag und Nacht mich ruhn.“
Vielleicht liegt darin eine weitere Botschaft für einen Berufsstand, in dem Leistung, Erreichbarkeit und Verantwortung immer mehr Raum beanspruchen: Wir müssen nicht alles selbst tragen.
Am Ende unseres beruflichen Tages dürfen wir abgeben.
Hoffnung über das Recht hinaus
Die letzte Strophe des Liedes führt schließlich genau zum Geheimnis des heutigen Festes:
„Bleib im Tod und Leben
unser Segen du!“
Das Recht kann vieles ordnen. Es kann Interessen ausgleichen, Freiheit schützen, Schuld feststellen, Schaden ersetzen und Frieden stiften.
Aber an einer Grenze endet jede Rechtsordnung: am Tod.
Mariä Himmelfahrt verkündet, dass dort nicht alles endet.
Der Mensch ist zu mehr bestimmt als zu dem, was sich in Ansprüchen, Rechten, Vermögen oder Lebensleistungen bemessen lässt. Seine endgültige Bestimmung liegt bei Gott.
Das ist keine Flucht aus der Welt. Im Gegenteil. Gerade wer weiß, dass menschliche Macht und menschliches Urteil nicht das letzte Wort haben, kann sich in dieser Welt umso freier für Recht und Gerechtigkeit einsetzen.
Das Magnificat gibt uns dafür den Maßstab:
Nicht Macht hat das letzte Wort.
Nicht Reichtum hat das letzte Wort.
Nicht gesellschaftlicher Rang hat das letzte Wort.
Gottes Barmherzigkeit hat das letzte Wort.
Das Hochfest Mariä Himmelfahrt lädt uns katholische Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte deshalb ein, unseren Beruf immer wieder aus dieser Perspektive zu betrachten: fachlich exzellent, dem Recht verpflichtet, der Gerechtigkeit dienend, dem Menschen zugewandt – und im Bewusstsein, dass über allem menschlichen Recht eine größere Gerechtigkeit steht.
Und vielleicht dürfen wir heute ganz schlicht mit dem alten Lied beten:
Segne du, Maria,
segne all mein Denken,
segne all mein Tun.