Jahr: 2023

BKR-Jahrestagung am 29.10.2022 in Bonn

Unsere Jahrestagung 2022 hat am 29. Oktober im Hotel Leoninum, dem ehemaligen Theologenkonvikt des Bistums Aachen, in Bonn stattgefunden.

Zunächst verlas der Vorsitzende Rechtsanwalt Roger Zörb ein ausführliches Grußwort des Erzbischofs von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki, der darauf hinwies, daß die Kirche das Ratgeben an zweifelnde und suchende Menschen zu den sieben geistlichen Werken der Barmherzigkeit zählt. Die Orientierung am christlichen Menschenbild und Wertesystem erhielte im Umgang mit dem Mandanten eine entscheidende Konkretion. Damit verbunden sei die grundsätzliche Frage: Was bedeutet die Ausrichtung der anwaltlichen Arbeit am christlichen Menschenbild? Hinter diesem Menschenbild stehe eine lebendige Person: Jesus Christus. Sein Umgang mit den Menschen, denen er begegnet ist, und seine Zuwendung, durch die sie Gottes Nähe erfahren durften, ist der eigentliche Maßstab christlichen und menschlichen Handelns. Den entscheidenden Rat gibt schließlich Maria, die Mutter Jesu: „Was Er euch sagt, das tut!“ (Joh 2,5), so der Kardinal, der allen Mitgliedern für ihre Arbeit dankte und viele Teilnehmer zur Reflektion anregte.

Im Anschluss eröffnete der Vorsitzende die Jahrestagung und betonte die drei Säulen des Verbandes: Den Dienst am Mandanten, die gegenseitige Unterstützung im Netzwerk und Einflußnahme auf Politik, Gesellschaft und Kirche. Zum Dienst am Mandanten gehört für uns auch regelmäßige Fortbildung – zum Beispiel im Rahmen des Seminarteils der Jahrestagungen. Mit unserem BKR-Kollegen Rechtsanwalt Dieter Trimborn von Landenberg aus Köln konnten wir in diesem Jahr erneut einen profilierten Referenten gewinnen, der sich dem Thema „Erfolgreiches Kanzleimarketing – Mandanten finden, Mandanten binden“ widmete.

Die anschließende Mitgliederversammlung bestätigte den Vorsitzenden Roger Zörb und die beiden Stellvertreter Donata von Kageneck und Klaus Weskamp im Amt. Für die nicht mehr kandidierenden Stellvertreter Urs Fabian Frigger und Michael Schmidt-Hofner wurden Professor Dr. Sven-Joachim Otto und Christoph Mahlendorf in den Vorstand gewählt. Die Teilnehmer dankten den beiden ausgeschiedenen Vorständen, insbesondere Michael Schmidt-Hofner, der dem Vorstand seit der Gründung des BKR von 24 Jahren angehörte und unserem Bund (nicht nur) als Schatzmeister wertvolle Dienste leistete.

Höhepunkt und Abschluss der Jahrestagung war der traditionelle Festkommers auf dem Hause des Katholischen Studentenvereins Arminia zu Bonn. Den Festvortrag hielt Professor Dr. Dr. Udo Di Fabio, Richter am Bundesverfassungsgericht a. D., zum Thema „Individuelle Freiheit und politische Identität“. In westlichen Verfassungen und auch im Grundgesetz dominant ist das Freiheitsprinzip, vor allem in seiner individuellen Ausrichtung. Die Verfassung will die demokratisch konstituierte Gesellschaft. Sie will aber auch Grenzen um der individuellen Freiheit der Bürger Willen, so Di Fabio. Die Freiheit, die er meint, ist die Freiheit des Einzelnen, seine Geschicke in die Hand zu nehmen. Im Mittelpunkt stehen Leistung, Selbstverantwortung und Wettbewerb. Andererseits sei individuelle Freiheit nicht lebensfähig, wenn sie nicht in die „unentbehrlichen Gemeinschaften wie Familien, Nationen und Religionsgemeinschaften“ eingebettet ist. Unser Festredner analysierte brillant die Krise der westlichen Kultur und speziell die Lage in Deutschland und zog alle Kneipanten in seinen Bann, indem er das Bewusstsein für Werte schärft, die vernachlässigt sind, und Wege in die Zukunft weist. 

Nachruf auf Papst Benedikt XVI.

Papst em. Benedikt XVI. empfing 2015 den damals neugewählten BKR-Vorsitzenden Rechtsanwalt Roger Zörb zum “Antrittsbesuch” im Kloster Mater Ecclesiae in den vatikanischen Gärten.

Papst Benedikt XVI. war dem Bund Katholischer Rechtsanwälte stets verbunden. Daher veröffentlichen wir folgenden Nachruf auf ihn von Gerhard Ludwig Kardinal Müller, Richter an der Apostolischen Signatur und ehemaliger Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, mit seiner Genehmigung.

Benedikt XVI. wird als einer der ganz großen Denker unseres Zeitalters in die Geschichte eingehen

Joseph Ratzinger war ein großer Gelehrter im Sinn der klassischen deutschen Universitätstradition. Das sollte aber nicht assoziativ das Stereotyp des weltfremden Professors auf den Plan rufen.

Als bedeutendem Augustinuskenner war er mit dessen Geschichtstheologie in „De Civitate DEI“ vertraut, wo alle Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten des altrömischen Imperialismus zur Sprache kamen. Er erlebte selbst noch als junger Mann, wie in einem totalitären Denken, der atheistischen Nazi-Ideologie, der Mensch unter die Räder kommt. Der „Humanismus ohne Gott“ (Henri de Lubac) ist mit dem Projekt eines angeblichen Paradieses auf Erden ohne den Glauben an den göttlichen Schöpfer und Erlöser von vornherein zum Scheitern verurteilt. Kommunistischer Sozialismus, nationalistischer Faschismus und der gegenwärtige Posthumanismus mit seiner lebensfeindlichen Ideologie der Kindestötung (Abtreibung) und Euthanasie sind die Ursachen für all das Unglück und die Verzweifelung des modernen Menschen.

Deshalb rief uns Papst Benedikt in seinem geistlichen Testament dazu auf, dem Glauben an Jesus Christus, den einzigen und wahren Retter der Welt, treu zu bleiben.

Ohne Gott gibt es kein sinnvolles und erfülltes Menschsein. Die Beschränkung unseres Horizontes auf das bloß Irdische ist ein Verbrechen an der geistigen Natur des Menschen, der über sich hinaus nach dem ungeschaffenen Grund seiner kontingenten Existenz fragt.

Der Theologe und bischöfliche Hirte Joseph Ratzinger wusste aber, dass die Sendung der Kirche über das Irdische und Politische weit hinaus reicht und von Gott her auf das ewige Heil des Ganzen und aller Menschen zielt.

Und erst von daher wird aus dem christlichen Glauben eine zivilisatorische und humanisierende Kraft auf das Zusammenleben der Menschen in den Staaten und der Völkergemeinschaft ausgehen. Der universale Heilswille Gottes steht gegen den egoistischen und zügellosen „Willen zur Macht“ (Nietzsche).

Aber die geistliche Autorität in der Kirche Gottes ist von ganz anderer Natur als die politische Macht selbst in demokratischen Rechtsstaaten und erst recht natürlich in den autokratischen Diktaturen, die sich eine absolute Macht über das Denken, Sprechen und Fühlen der Menschen anmahnen.

Die Kirche, die der Sohn des lebendigen Gottes auf Petrus und seine Nachfolger in Rom baut, ist im Namen Christi, des Guten Hirten, Dienst am Heil der Menschen im Wort des Evangeliums und in den heiligen Sakramenten, die uns die Gnade Christi real vermitteln.

Es wäre Missbrauch der geistlichen Vollmacht, sie im politischen Sinn als Kampf um Einfluss und Vorteil einzusetzen. Es gibt nichts Schlimmeres als Karrierismus und Favoritismus in der Kirche (d.h. die Berufung ungeeigneter Kandidaten in geistliche Ämter zur Sicherung der eigenen Macht und Kontrolle).

In seiner priesterlichen Spiritualität war Joseph Ratzinger nie ein Mann der Macht, sondern immer ein demütiger Diener Christi im Weinberg des Herrn. Die geistige Auseinandersetzung war stets auf dem Niveau intellektueller Redlichkeit und ohne Starallüren.

In seiner Jesus-Trilogie und den drei Enzykliken über die Liebe, die Hoffnung und den Glauben hat er uns den Schlüssel zum Verständnis seines Gesamtwerkes gegeben, das ich in den 16 Bänden der Gesammelten Schriften im Regensburger Papst Benedikt Institut ediert habe.

Die Wahrheit ist nicht ein Sachverhalt, zu dem wir im Verhältnis des Besitzens stehen, sondern die Person Christi, in der sich uns die ungeschaffene Wahrheit Gottes erschließt als Heil und Leben.

Papst Benedikt XVI. wird als einer der ganz großen Denker unseres Zeitalters in die Geschichte eingehen und als der Gelehrtenpapst auf der Cathedra Petri.

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