Betrachtung des BKR zu Epiphanias 2026

Betrachtung zum Hochfest der Erscheinung des Herrn (Dreikönig)

für den Bund katholischer Rechtsanwälte (BKR)

„Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“
So schlicht und zugleich so weltbewegend beschreibt das Evangelium die Bewegung der Weisen aus dem Morgenland. Das Hochfest der Erscheinung des Herrn – Epiphanie – ist kein sentimentales Randfest der Weihnachtszeit, sondern ein theologischer Kulminationspunkt: Gott zeigt sich der Welt. Nicht nur Israel, sondern den Völkern.

Theologische Bedeutung: Offenbarung für alle

Epiphanie meint Erscheinung, Offenbarwerden. In der Geburt Christi wird Gott Mensch; in der Epiphanie wird dieser Mensch als Sohn Gottes für alle erkennbar. Bemerkenswert ist, wem sich Gott offenbart: nicht den religiösen Eliten Jerusalems, sondern suchenden Fremden, Gelehrten aus der Ferne, die Zeichen lesen können und sich auf den Weg machen.

Die Weisen stehen theologisch für die Vernunft des Menschen, für Wissenschaft, Erkenntnis und Suche nach Wahrheit. Ihr Weg zeigt: Glaube und Vernunft sind keine Gegensätze, sondern finden in Christus ihre Einheit. Der Stern führt – aber er zwingt nicht. Gott zwingt nie, er lädt ein.

Zugleich entlarvt die Epiphanie die Ambivalenz menschlicher Macht: Herodes kennt die Schrift, aber fürchtet um seine Stellung. Wissen ohne Demut wird gefährlich. Wahrheit ohne Bereitschaft zur Umkehr verhärtet.

Historische Bedeutung: Zwischen Weltwissen und Heilsgeschichte

Historisch verbindet das Fest biblische Überlieferung, altorientalische Astronomie und frühe christliche Deutung. Die „Magoi“ waren vermutlich Gelehrte, vielleicht Astronomen oder Astrologen aus dem persisch-babylonischen Raum. Dass Matthäus gerade sie nennt, ist kein Zufall: Das Evangelium richtet sich an eine Welt im Übergang – zwischen jüdischer Tradition und hellenistischer Bildung.

Die Kirche hat früh erkannt: Christus ist nicht nur innerkirchliche Wahrheit, sondern Anspruch an die Weltgeschichte. Deshalb wurde Epiphanie in der Alten Kirche teilweise sogar höher gefeiert als Weihnachten. Der Glaube tritt aus der Krippe heraus in die Öffentlichkeit.

Das Evangelium (Mt 2,1–12)

Aus dem Evangelium nach Matthäus:

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten:
„Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“

Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.
Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle.

Sie antworteten ihm: „In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten geschrieben …“

Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte:
„Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.“

Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.

Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.
Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe dar.

Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Was Epiphanie uns katholischen Anwälten heute sagt

Für uns katholische Anwälte ist dieses Fest von besonderer Aktualität:

Erstens: Wahrheit verlangt Bewegung.
Die Weisen bleiben nicht beim Wissen stehen. Sie machen sich auf den Weg. Auch juristische Wahrheit ist mehr als formale Richtigkeit. Sie fordert Haltung, Mut und manchmal Umwege.

Zweitens: Macht ohne Wahrheit wird zerstörerisch.
Herodes fürchtet den Verlust seiner Position. Wo Recht nur als Machtsicherung dient, pervertiert es. Epiphanie mahnt uns, das Recht stets am Menschen und letztlich an Gott auszurichten.

Drittens: Gewissen vor Opportunität.
Die Weisen kehren „auf einem anderen Weg“ zurück. Sie gehorchen Gott mehr als dem König. Für uns bedeutet das: Das Gewissen ist kein privates Extra, sondern integraler Maßstab beruflichen Handelns – auch dort, wo Anpassung einfacher wäre.

Viertens: Universalität des Rechts.
Christus ist nicht der König eines Volkes, sondern der Herr aller. Daraus erwächst der Anspruch, Recht gerecht, menschenwürdig und inklusiv zu denken – besonders für die Schwachen, Fremden und Übersehenen.

Gebet zum Dreikönigsfest

Herr Jesus Christus,
du hast dich nicht verborgen,
sondern dich den Suchenden gezeigt,
den Fragenden, den Fremden.

Gib uns den Mut,
nicht bei Sicherheiten stehenzubleiben,
sondern aufzubrechen,
wenn Wahrheit uns ruft.

Bewahre uns vor der Angst des Herodes
und schenke uns die Demut der Weisen.
Lass Recht und Gerechtigkeit in unserem Handeln
nicht Selbstzweck sein,
sondern Dienst am Menschen
und Zeugnis deiner Wahrheit.

Führe uns – wie einst durch den Stern –
durch dein Licht,
damit wir dich finden
und auf neuen Wegen heimkehren.

Amen.

BKR erinnert an Papst Benedikt XVI.

In memoriam Papst Benedikt XVI.

Zeugnis für Wahrheit, Vernunft und Recht

Der Bund katholischer Rechtsanwälte (BKR) gedenkt in Dankbarkeit und Ehrfurcht Papst Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger), der am 31. Dezember 2022 in das Haus des Vaters heimgerufen wurde.

Mit Papst Benedikt XVI. hat die katholische Kirche eine der prägendsten geistigen Gestalten des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts verloren. Als Theologe von Weltrang, als Bischof und als Nachfolger des Apostels Petrus hat er in einzigartiger Weise für die Einheit von Glaube und Vernunft, von Wahrheit und Freiheit, von Recht und Gerechtigkeit Zeugnis abgelegt.

Sein Pontifikat war geprägt von geistiger Klarheit, persönlicher Bescheidenheit und einer tiefen Verwurzelung im christlichen Menschenbild. Benedikt XVI. verstand das Amt des Papstes nicht als Machtposition, sondern als Dienst an der Wahrheit. Sein freiwilliger Verzicht auf das Petrusamt war Ausdruck höchster Verantwortungsethik und Demut – ein Akt, der in der Geschichte der Kirche ohne Beispiel ist und weit über seine Zeit hinausweist.

Zur Frage der Heiligsprechung

Die Frage einer Heiligsprechung Papst Benedikts XVI. stellt sich aus Sicht des BKR nicht aus emotionaler Nähe, sondern aus der nüchternen Betrachtung seines Lebenszeugnisses.

Heiligkeit zeigt sich in der Treue zur Wahrheit und im beharrlichen Dienst an Gott und den Menschen. Joseph Ratzinger hat sein gesamtes Leben in den Dienst der Kirche gestellt – mit intellektueller Redlichkeit, geistlicher Tiefe und persönlicher Anspruchslosigkeit. Er hat sich weder dem Zeitgeist angepasst noch der Versuchung der Vereinfachung nachgegeben, sondern unbeirrt für die objektive Wahrheit des christlichen Glaubens eingestanden.

Gerade in einer Epoche der Relativierung grundlegender Werte ist dieses Zeugnis von besonderer Bedeutung. Es spricht vieles dafür, in Papst Benedikt XVI. einen Hirten von heroischer Tugend zu sehen, dessen Leben und Wirken eine Heiligsprechung rechtfertigen können.

Papst Benedikt XVI. und die Verantwortung katholischer Rechtsanwälte

Papst Benedikt XVI. hat dem Recht stets eine zentrale Bedeutung für das Zusammenleben der Menschen beigemessen. Zugleich hat er immer wieder darauf hingewiesen, dass Recht ohne moralisches Fundament seine legitimierende Kraft verliert.

Für katholische Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte ergeben sich aus seinem Denken bleibende Orientierungspunkte:
• Recht und Wahrheit: Recht darf nicht allein aus Mehrheitsentscheidungen oder Machtverhältnissen abgeleitet werden, sondern muss an objektiver Gerechtigkeit orientiert bleiben.
• Gewissen und Verantwortung: Der Jurist steht nicht nur im Dienst des positiven Rechts, sondern auch in der Verantwortung vor seinem Gewissen.
• Vernunft und Maß: Benedikts Plädoyer für eine „erweiterte Vernunft“ ist ein Gegenentwurf zu ideologischer Verengung und politischer Instrumentalisierung des Rechts.
• Dienst am Menschen: Juristische Tätigkeit ist stets Dienst an der Würde des Menschen und an der Ordnung des Gemeinwohls.

Papst Benedikt XVI. bleibt damit auch über seinen Tod hinaus ein Lehrer und Mahner für katholische Juristinnen und Juristen.

Psalm

„Der Herr liebt das Recht und die Gerechtigkeit,
die Erde ist erfüllt von seiner Huld.“
(Psalm 33,5)

Gebet

Allmächtiger und gütiger Gott,
wir danken Dir für das Leben und Wirken Deines Dieners Papst Benedikt XVI.
Du hast ihn berufen, Deiner Kirche mit Geist und Herz zu dienen
und die Wahrheit des Glaubens in Klarheit und Demut zu verkünden.

Schenke uns durch sein Beispiel
Treue zum Gewissen,
Liebe zum Recht
und den Mut, der Wahrheit zu dienen – auch gegen den Zeitgeist.

Nimm Deinen Diener auf in die Gemeinschaft Deiner Heiligen
und lass sein Zeugnis in Deiner Kirche und in der Welt Frucht bringen.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Amen.

BKR übt scharfe Kritik an ARD Christmette

Schleim statt Heilige Nacht – BKR kritisiert ARD-Christmette als Respektlosigkeit gegenüber dem Glauben

Der Bund katholischer Rechtsanwälte (BKR) zeigt sich fassungslos über die diesjährige Live-Übertragung der Christmette durch die ARD. In einer baden-württembergischen Kirche wurde das Jesuskind nicht als Neugeborenes in der Krippe dargestellt, sondern als erwachsener Mensch, der sich aus einer schleimigen Hülle windet. Weihnachten als Body-Horror-Performance – zur Primetime im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

„Das ist keine kreative Interpretation, das ist eine Entfremdung der Weihnachtsbotschaft auf Kosten der Gläubigen“, erklärt Roger Zörb, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht sowie Vorsitzender des BKR. „Wer an Heiligabend einschaltet, erwartet Trost, Würde und die Botschaft von Hoffnung – nicht eine verstörende Inszenierung, die eher an Experimentaltheater erinnert.“

Dass diese Darstellung ausgerechnet im Rahmen einer liturgischen Feier und unter Mitwirkung eines öffentlich-rechtlichen Senders erfolgte, verschärft aus Sicht des BKR das Problem erheblich. Kunstfreiheit endet dort, wo religiöse Kerninhalte entstellt und die Glaubensüberzeugungen von Millionen Christen ohne Not provoziert werden.

„Niemand verlangt Betonsakralität oder Kunstverbot“, ergänzt Sven-Joachim Otto, Rechtsanwalt und stellvertretender Vorsitzender des BKR. „Aber wer Liturgie zur Bühne für Grenzüberschreitungen macht, darf sich nicht wundern, wenn Vertrauen verloren geht. Weihnachten ist kein Kuratorenprojekt, sondern das höchste Fest der Christenheit.“

Der BKR warnt vor einer schleichenden Gewöhnung an religiöse Respektlosigkeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Wenn selbst die Christmette zur Projektionsfläche für Provokation werde, drohe eine weitere Entfremdung zwischen Medien, Kirchen und Gläubigen.

Der Bund katholischer Rechtsanwälte fordert die Verantwortlichen bei ARD und Kirche auf, künftig wieder stärker zwischen künstlerischem Experiment und liturgischer Verantwortung zu unterscheiden. Nicht alles, was Aufmerksamkeit erzeugt, ist auch angemessen – schon gar nicht an Weihnachten.

Betrachtung des BKR zu Mariae Empfängnis

Betrachtung zum Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

Heute schauen wir mit jubelnder Dankbarkeit auf den Ursprung jener Frau, die Gott vom ersten Augenblick ihres Daseins an in eine unversehrte Freiheit stellte – eine Freiheit von der Sünde und eine Freiheit für die Hingabe an seinen Willen.

Maria ist nicht nur das „Tota pulchra“, die ganz Schöne, sondern auch das vollkommen Transparente: In ihr liegt kein Schatten, der das Wirken Gottes trübt. Sie ist das reine Ja des Menschen zum heiligen Gott.

Das Fest der Gnade – und unser Beruf der Gerechtigkeit

Wir Juristinnen und Juristen sprechen täglich über Ordnung, Recht, Verantwortung und Schuld. Und gerade darum trifft uns dieses Fest so unmittelbar:
• Maria zeigt uns, wie Gott den Menschen ursprünglich gedacht hat – nicht belastet, nicht gebrochen, sondern frei, klar, schön vor Gott.
• Im Recht sehen wir ständig die Folgen der gefallenen Welt: Konflikte, Schäden, Streit, Irrtümer, Fehlentscheidungen.
• Dieses Fest aber lässt uns ahnen, was vor aller Schuld war und was nach aller Schuld wieder sein soll: das geheilte Verhältnis zwischen Mensch und Gott, Wahrheit und Freiheit, Gesetz und Liebe.

Für uns katholische Rechtsanwälte heißt das:
• Wir dienen einer Gerechtigkeit, die größer ist als Paragraphen.
• Wir erinnern uns daran, dass vor jeder Schuld ein Mensch steht, der zur Freiheit geschaffen ist.
• Wir dürfen in Mandaten und Gutachten manchmal das tun, was Maria getan hat: bewusst das Gute hervorheben, das Licht, den Funken Gottes in jedem Menschen.
• Und wir dürfen für die Welt des Rechts erbitten, dass sie nicht kalt und mechanisch bleibt, sondern vom Geist Gottes berührt wird, der Maria zur „neuen Eva“ machte.

Das Ja der Unbefleckten – ein Ruf an unser berufliches Gewissen

Maria ist die Frau des hörenden Herzens. Sie ist ganz aufmerksam auf Gottes Wort und dadurch zur Mutter des Erlösers berufen worden.

Unser Berufsalltag ist geprägt von Entscheidungen – oft komplex, oft mit Grautönen, manchmal mit weitreichenden Folgen.

Maria erinnert uns daran,
• dass Rechtsfindung ohne Gewissen nicht möglich ist,
• dass berufliche Integrität auch dann gilt, wenn niemand zusieht,
• dass Recht und Barmherzigkeit nicht Gegensätze sind,
• und dass unser Ja – unser tägliches berufliches Ja – kraftvoll, klar und wahrhaftig sein darf.

Wie Maria dürfen wir sagen:
„Mir geschehe, wie du es willst“ – und daraus Mut, Objektivität und innere Reinheit schöpfen.

Die Unbefleckte Empfängnis als Trost in einer gebrochenen Welt

Wir erleben in unserem Umfeld Rechtsunsicherheiten, gesellschaftliche Polarisierung, moralische Orientierungsnot. Manche Mandanten kommen zu uns mit Schicksalen, die uns innerlich schwer werden lassen.

Das heutige Hochfest aber sagt:
Die Sünde hat nicht das letzte Wort.

Noch bevor die Menschheit in Christus erlöst wurde, ordnete Gott in Maria bereits den Anfang der Heilsgeschichte neu.

Das ist Trost – aber auch Auftrag:
Wir dürfen Werkzeuge dieses Neuordnens sein, Orte, an denen Menschen Gerechtigkeit erfahren, Wahrheit finden, Würde zurückgewinnen.

Psalm für den heutigen Tag (Psalm 85)

(In einer leicht liturgisch akzentuierten Fassung)

Ich will hören,
was Gott, der Herr, redet:
Frieden verkündet er seinem Volk.

Es ist nahe denen, die ihn fürchten,
dass seine Herrlichkeit wohne in unserem Land.

Es begegnen einander Huld und Treue,
Gerechtigkeit und Friede küssen sich.

Treue sprosst aus der Erde hervor,
Gerechtigkeit schaut vom Himmel herab.

Der Herr gibt Gutes,
und unser Land bringt reichen Ertrag.

Gerechtigkeit zieht vor ihm her,
und Heil folgt der Spur seiner Schritte.

Gebet zum Hochfest Mariä Empfängnis (für den BKR)

Gott, du Quell aller Gerechtigkeit und aller Gnade,
heute feiern wir die ohne Sünde empfangene Jungfrau Maria,
in der dein Licht vollkommen aufleuchten durfte.

Lass uns, die wir im Recht tätig sind,
durch ihre Fürsprache ein hörendes Herz gewinnen,
Mut zur Wahrheit, Klarheit in Entscheidungen
und Milde im Umgang mit den Menschen,
die uns anvertraut sind.

Bewahre uns vor Härte des Urteils,
vor Blindheit gegenüber den Schwachen
und vor Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit.

Schenke unserer Arbeit die Reinheit des Blickes,
die Maria ausgezeichnet hat,
und mache uns zu Werkzeugen deiner Gerechtigkeit,
damit Huld und Treue, Recht und Barmherzigkeit
auch in unserem beruflichen Alltag sichtbar werden.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Amen.

Betrachtung des BKR zum Advent

Der Advent ist eine der stillsten Zeiten des Kirchenjahres – und zugleich eine der entschiedensten. In diesen Wochen bereitet die Kirche nicht nur die Krippe vor, sondern das Herz des Menschen, der sich neu dem Kommen Christi öffnet. Nichts davon ist romantische Folklore. Advent ist die Zeit, in der wir uns erinnern: Gott selbst hat die Geschichte unterbrochen. Er tritt ein in die Welt, die zu oft meint, alles sei aus menschlicher Kraft zu ordnen.

Für uns Juristinnen und Juristen hat dieser Gedanke eine besondere Wucht. Wir arbeiten täglich an der Ordnung, an der Form, an der Gerechtigkeit. Und doch wissen wir: Recht ist niemals alles. Kein Gesetz kann den Menschen vollständig erfassen, kein Urteil das Herz vollkommen ausleuchten. Der Advent hält uns vor Augen, dass Gerechtigkeit einen Ursprung hat, der tiefer reicht als jede positive Norm.

In dieser Haltung des Erwartens und des Hörens erkennt der BKR eine geistliche Aufgabe:
die Verbindung von juristischem Ethos und christlicher Hoffnung wachzuhalten.

In einer Zeit, in der öffentliche Debatten oft schrill sind, Moral zu Schlagworten verkommt und das Recht politisch überdehnt wird, ruft der Advent uns zurück zur inneren Sammlung. Er lädt dazu ein, Verantwortung neu zu bedenken – nicht aus Angst vor Fehlern, sondern aus der Freiheit des Glaubens, der weiß, dass Wahrheit nicht verfügbar gemacht werden kann.

Gerade deshalb ist der Advent ein zutiefst realistisches Fest:
Er spricht nicht von Perfektion, sondern von Sehnsucht.
Nicht von Macht, sondern von Ankunft.
Nicht von Selbstbehauptung, sondern von Bereitschaft.

Und so sagt der stellvertretende Vorsitzende des BKR, Prof. Dr. Sven-Joachim Otto:

„Der Advent erinnert uns daran, dass christliche Juristen nicht nur das Recht anwenden, sondern auch Hoffnung stiften. Wer im Licht der Menschwerdung denkt, verliert weder die Klarheit der Vernunft noch die Wärme des Herzens.“

Der Vorsitzende des BKR, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Roger Zörb, betont:

„Advent bedeutet, die Welt nicht sich selbst zu überlassen. Gott kommt – und gerade daraus erwächst unser Mut, Verantwortung zu übernehmen. Das gilt im Recht wie im Leben.“

Der BKR wünscht allen Mitgliedern, Freunden und Begleitern eine gesegnete Adventszeit – eine Zeit, die uns erdet, erhebt und neu ausrichtet.
Möge sie uns lehren, im juristischen Alltag wie im persönlichen Leben Raum zu schaffen für das, was nicht aus uns selbst kommt: die Wahrheit, die Freiheit schenkt, und das Licht, das die Nacht nicht fürchtet.

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