BKR erinnert an Papst Benedikt XVI.
In memoriam Papst Benedikt XVI.
Zeugnis für Wahrheit, Vernunft und Recht
Der Bund katholischer Rechtsanwälte (BKR) gedenkt in Dankbarkeit und Ehrfurcht Papst Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger), der am 31. Dezember 2022 in das Haus des Vaters heimgerufen wurde.
Mit Papst Benedikt XVI. hat die katholische Kirche eine der prägendsten geistigen Gestalten des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts verloren. Als Theologe von Weltrang, als Bischof und als Nachfolger des Apostels Petrus hat er in einzigartiger Weise für die Einheit von Glaube und Vernunft, von Wahrheit und Freiheit, von Recht und Gerechtigkeit Zeugnis abgelegt.
Sein Pontifikat war geprägt von geistiger Klarheit, persönlicher Bescheidenheit und einer tiefen Verwurzelung im christlichen Menschenbild. Benedikt XVI. verstand das Amt des Papstes nicht als Machtposition, sondern als Dienst an der Wahrheit. Sein freiwilliger Verzicht auf das Petrusamt war Ausdruck höchster Verantwortungsethik und Demut – ein Akt, der in der Geschichte der Kirche ohne Beispiel ist und weit über seine Zeit hinausweist.
Zur Frage der Heiligsprechung
Die Frage einer Heiligsprechung Papst Benedikts XVI. stellt sich aus Sicht des BKR nicht aus emotionaler Nähe, sondern aus der nüchternen Betrachtung seines Lebenszeugnisses.
Heiligkeit zeigt sich in der Treue zur Wahrheit und im beharrlichen Dienst an Gott und den Menschen. Joseph Ratzinger hat sein gesamtes Leben in den Dienst der Kirche gestellt – mit intellektueller Redlichkeit, geistlicher Tiefe und persönlicher Anspruchslosigkeit. Er hat sich weder dem Zeitgeist angepasst noch der Versuchung der Vereinfachung nachgegeben, sondern unbeirrt für die objektive Wahrheit des christlichen Glaubens eingestanden.
Gerade in einer Epoche der Relativierung grundlegender Werte ist dieses Zeugnis von besonderer Bedeutung. Es spricht vieles dafür, in Papst Benedikt XVI. einen Hirten von heroischer Tugend zu sehen, dessen Leben und Wirken eine Heiligsprechung rechtfertigen können.
Papst Benedikt XVI. und die Verantwortung katholischer Rechtsanwälte
Papst Benedikt XVI. hat dem Recht stets eine zentrale Bedeutung für das Zusammenleben der Menschen beigemessen. Zugleich hat er immer wieder darauf hingewiesen, dass Recht ohne moralisches Fundament seine legitimierende Kraft verliert.
Für katholische Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte ergeben sich aus seinem Denken bleibende Orientierungspunkte:
• Recht und Wahrheit: Recht darf nicht allein aus Mehrheitsentscheidungen oder Machtverhältnissen abgeleitet werden, sondern muss an objektiver Gerechtigkeit orientiert bleiben.
• Gewissen und Verantwortung: Der Jurist steht nicht nur im Dienst des positiven Rechts, sondern auch in der Verantwortung vor seinem Gewissen.
• Vernunft und Maß: Benedikts Plädoyer für eine „erweiterte Vernunft“ ist ein Gegenentwurf zu ideologischer Verengung und politischer Instrumentalisierung des Rechts.
• Dienst am Menschen: Juristische Tätigkeit ist stets Dienst an der Würde des Menschen und an der Ordnung des Gemeinwohls.
Papst Benedikt XVI. bleibt damit auch über seinen Tod hinaus ein Lehrer und Mahner für katholische Juristinnen und Juristen.
Psalm
„Der Herr liebt das Recht und die Gerechtigkeit,
die Erde ist erfüllt von seiner Huld.“
(Psalm 33,5)
Gebet
Allmächtiger und gütiger Gott,
wir danken Dir für das Leben und Wirken Deines Dieners Papst Benedikt XVI.
Du hast ihn berufen, Deiner Kirche mit Geist und Herz zu dienen
und die Wahrheit des Glaubens in Klarheit und Demut zu verkünden.
Schenke uns durch sein Beispiel
Treue zum Gewissen,
Liebe zum Recht
und den Mut, der Wahrheit zu dienen – auch gegen den Zeitgeist.
Nimm Deinen Diener auf in die Gemeinschaft Deiner Heiligen
und lass sein Zeugnis in Deiner Kirche und in der Welt Frucht bringen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Amen.