Einkehrwochenende des BKR 2026
Einkehrwochenende des BKR auf dem Frauenberg in Fulda
Gemeinschaft, geistliche Vertiefung und juristische Verantwortung
Vom 1. bis 3. Mai 2026 fand im Kloster Frauenberg in Fulda erneut das traditionelle Einkehrwochenende des BKR statt. Bereits zum zehnten Mal kamen Mitglieder des Bundes Katholischer Rechtsanwälte auf dem Frauenberg zusammen, um einige Tage bewusst aus dem beruflichen Alltag herauszutreten und sich in geistlicher Gemeinschaft grundlegenden Fragen von Glauben, Verantwortung und menschlichem Handeln zu widmen.
Die Einkehrtage auf dem Frauenberg haben sich über viele Jahre zu einer festen und prägenden Tradition innerhalb des Verbandes entwickelt. Viele Teilnehmer verbindet mit dem Franziskanerkloster nicht nur ein Ort theologischer Reflexion, sondern auch ein Raum persönlicher Begegnung, vertrauensvollen Austauschs und gelebter Gemeinschaft. Gerade in einem beruflichen Umfeld, das häufig von hoher Belastung, Konflikten und rechtlicher Auseinandersetzung geprägt ist, gewinnen diese gemeinsamen Tage der Besinnung und des Gesprächs eine besondere Bedeutung.
Der Vorsitzende des BKR, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Roger Zörb, betonte in diesem Zusammenhang:
„Die Einkehrtage auf dem Frauenberg sind seit vielen Jahren ein besonderer Bestandteil unseres Verbandslebens. Sie verbinden geistliche Vertiefung mit persönlicher Begegnung und stärken die Gemeinschaft katholischer Juristinnen und Juristen über Generationen hinweg. Gerade in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung bleibt die gemeinsame Orientierung an christlichen Grundwerten von großer Bedeutung.“
Das diesjährige Thema „Sünde – Schuld – Vergebung“ griff dabei Fragestellungen auf, die sowohl den persönlichen Glauben als auch die berufliche Praxis von Juristen unmittelbar berühren. In den Vorträgen und Gesprächen wurde deutlich, dass Schuld im christlichen Verständnis weit über rein rechtliche Kategorien hinausreicht. Sie betrifft die Beziehung des Menschen zu Gott und zum Mitmenschen und verweist damit auf Fragen von Gewissen, Verantwortung und moralischer Freiheit.
Der geistliche Begleiter des Wochenendes, Prof. Peter Schallenberg, führte die Teilnehmer in philosophische und theologische Grundlagen dieser Fragen ein. Ausgehend von den klassischen Überlegungen bei Platon und Sokrates bis hin zur Gewissenslehre Joseph Ratzingers wurde herausgearbeitet, dass das Gewissen nicht bloß subjektives Empfinden ist, sondern auf Wahrheit und Verantwortung hingeordnet bleibt. Gerade für Juristinnen und Juristen stellt sich damit immer wieder die Herausforderung, Recht und Gerechtigkeit in ein verantwortliches Verhältnis zu setzen.
Besondere Aufmerksamkeit galt zudem der christlichen Vorstellung von Vergebung. Diese erschöpft sich nicht in einem bloßen Verzeihen, sondern zielt auf eine wirkliche Erneuerung der Beziehung und auf die Möglichkeit eines neuen Anfangs. Anhand zentraler biblischer Gleichnisse – darunter der verlorene Sohn, Kain und Abel sowie der barmherzige Samariter – wurde verdeutlicht, dass christliche Gerechtigkeit stets von Barmherzigkeit durchdrungen bleibt.
Neben den theologischen und philosophischen Impulsen prägten vor allem die persönliche Gemeinschaft und der offene Austausch das Wochenende. Gemeinsame Gottesdienste, Gespräche in kleiner Runde, Mahlzeiten und Begegnungen im Klosteralltag machten erneut deutlich, dass der Frauenberg für viele Mitglieder des BKR weit mehr ist als ein Tagungsort. Er ist über die Jahre zu einem geistlichen und persönlichen Ankerpunkt des Verbandes geworden.
Gerade im Spannungsfeld von Recht, Verantwortung und menschlicher Fehlbarkeit erinnert die christliche Botschaft daran, dass Gnade mehr ist als das, was das Recht allein zu leisten vermag. Die Einkehrtage des BKR wollen hierfür Raum schaffen – für Besinnung, Orientierung und die gemeinsame Suche nach einer christlich verantworteten juristischen Praxis.

